Es gibt einen Ort auf Mallorca, an dem sich das Land zu einer Felskante über dem Mittelmeer verengt. Einen Ort, an dem die Klippen 300 Meter senkrecht in ein Meer abfallen, das je nach Tageszeit von Tiefblau zu Türkis wechselt. Dieser Ort ist Formentor, die nördlichste Halbinsel der Insel, unter Einheimischen bekannt als «der Treffpunkt der Winde».
¿De qué hablamos en este artículo?
ToggleEinen Besuch am Cap de Formentor nur als Fahrt zu einem Leuchtturm zu beschreiben, würde ihm nicht gerecht. Es bedeutet, einer Straße zu folgen, die selbst ein Meisterwerk der Ingenieurskunst ist, an einem Aussichtspunkt haltzumachen, der einem den Atem raubt, und Strände zu entdecken, die wie aus einem anderen Mittelmeer zu stammen scheinen.
Ein Leuchtturm, erbaut mit purem Willen
Sechs Jahre Bauzeit am Ende der Welt
Der Leuchtturm von Formentor wurde 1863 nach sechs Jahren Bauzeit unter extremen Bedingungen eingeweiht. Der Standort war so abgelegen und zerklüftet, dass die ersten zweieinhalb Jahre allein dafür benötigt wurden, einen Weg für den Materialtransport anzulegen.
Mehr als 200 Arbeiter waren an dem Projekt beteiligt. Der Bischof von Mallorca ließ einen Altar direkt auf der Baustelle errichten, damit die Arbeiter vor jeder Schicht die Messe besuchen konnten. Heute erhebt sich der weiße Turm mit seinen 22 Metern Höhe auf 210 Metern über dem Meeresspiegel — eine der höchstgelegenen Leuchtturmpositionen Spaniens.
Die Straße, die alles veränderte
1925 entwarf der mallorquinische Ingenieur Antonio Parietti Coll die 13,5 Kilometer lange Straße von Port de Pollença zum Kap. Derselbe Ingenieur, der später die legendäre Serpentinenstraße nach Sa Calobra mit ihren zwölf Haarnadelkurven trassierte.
Die Fahrt über die Ma-2210 ist ein Erlebnis für sich. Die Straße schlängelt sich zwischen Kiefernwäldern und schroffen Klippen hindurch, und hinter jeder Kurve eröffnet sich ein neues Panorama. Kein Wunder, dass der Dichter Miquel Costa i Llobera, einst Eigentümer der Halbinsel, hier die Inspiration für El Pi de Formentor fand — eines der berühmtesten Gedichte der katalanischen Literatur.
Mirador de Es Colomer: Mallorcas meistgesuchte Aussicht
Der Mirador de Es Colomer ist der erste große Halt auf dem Weg zum Leuchtturm und für viele Besucher der eindrucksvollste Punkt der gesamten Strecke. Von der Aussichtsplattform blickt man auf die kleine Insel Es Colomer, die Bucht von Pollença und — an klaren Tagen — die Silhouette Menorcas am Horizont.
Der Aussichtspunkt wurde von Parietti selbst entworfen und bietet Seitenwege zu ruhigeren Beobachtungspunkten abseits der Menschenmassen. Wer auf der Suche nach weiteren spektakulären Aussichtspunkten auf der Insel ist, dem empfehlen wir unseren Beitrag über die besten Aussichtspunkte Mallorcas, in dem Es Colomer einen festen Platz einnimmt.
Die Halbinsel Formentor beherbergt eine der bedeutendsten Kolonien des Eleonorenfalken im westlichen Mittelmeer. Diese Zugvögel nisten zwischen August und Oktober in den Klippen und nutzen die Winde, die dem Kap seinen Namen gaben, um kleinere Vögel auf deren Zug nach Afrika zu jagen.
Strand von Formentor: eine Ecke aus einem anderen Mittelmeer
Der Strand von Formentor, auch als Cala Pi de Sa Posada bekannt, zählt zu den fotogensten Stränden der Insel. Sein schmaler Streifen feinen Sandes erstreckt sich unter einem Dach aus Kiefern, die fast bis ans Wasser reichen und einen Kontrast aus Grün- und Blautönen schaffen, den man anderswo kaum findet.
Das Wasser ist kristallklar und verhältnismäßig ruhig — ideal für Familien. Vom Ufer aus blickt man auf die Inselchen vor Formentor, eine Kulisse, die einst Persönlichkeiten wie Winston Churchill und John Wayne bezauberte, beide Gäste des historischen Hotel Formentor, das 1929 eröffnet wurde und heute als Four Seasons betrieben wird.
Anreise nach Formentor: Einschränkungen und praktische Tipps
Eine gute Planung der Anfahrt ist unerlässlich, um Formentor ohne Überraschungen zu genießen. Seit 2017 regeln die Behörden den Verkehr auf der Ma-2210 während der Hauptsaison.
Außerhalb der Saison (November bis Mitte Mai)
Die Zufahrt mit dem eigenen Auto ist uneingeschränkt möglich. Dies ist die beste Zeit, um in Ruhe bis zum Leuchtturm zu fahren, ohne Gedränge zu fotografieren und die Landschaft bei milden Temperaturen zu genießen.
Während der Saison (15. Mai – 15. Oktober 2026)
Die Beschränkungen gelten von 10:00 bis 22:00 Uhr und teilen die Straße in zwei Abschnitte:
- Strandabschnitt (km 2 bis 8): Pkw sind zugelassen, bis der Parkplatz voll ist. Danach dürfen nur noch autorisierte Fahrzeuge passieren.
- Leuchtturmabschnitt (km 8,7 bis 19,6): Für Privatfahrzeuge und Motorräder gesperrt. Erlaubt sind ausschließlich der TIB-Shuttlebus, Fahrräder, Taxis und Rettungsfahrzeuge.
Bei unerlaubter Zufahrt drohen Bußgelder zwischen 100 und 200 Euro. Die bequemste Alternative ist, in Port de Pollença zu parken und den TIB-Shuttlebus zu nehmen, der während der gesamten Sperrzeit verkehrt.
Ein Tipp aus der Praxis: Wer in der Hauptsaison kommt, sollte früh aufbrechen. Vor 10:00 Uhr ist die Zufahrt frei und man kann bis zum Leuchtturm fahren. Wichtig ist nur, die Sperrzone rechtzeitig wieder zu verlassen.
Nach dem Blick von den Klippen Formentors in die Tiefe lässt sich der mallorquinische Tag perfekt unter der Erde abrunden. Die Cuevas dels Hams in Porto Cristo bieten den idealen Kontrast: eine unterirdische Reise durch Millionen Jahre Erdgeschichte mit hakenförmigen Tropfsteinformationen, einem klassischen Konzert am unterirdischen See Mar de Venecia und dem immersiven Erlebnis der Blauen Höhle. Zwei Seiten Mallorcas an einem einzigen Tag.
Häufig gestellte Fragen zu Formentor auf Mallorca
Kann man 2026 mit dem Auto nach Formentor fahren?
Ja, im Sommer aber nur eingeschränkt. Vom 15. Mai bis 15. Oktober ist die Zufahrt zum Leuchtturmabschnitt für Privatfahrzeuge zwischen 10:00 und 22:00 Uhr gesperrt. Der Strandabschnitt ist mit dem Auto erreichbar, bis der Parkplatz voll ist. Außerhalb dieser Daten ist die Zufahrt völlig frei. Im Sommer empfiehlt sich der Shuttlebus ab Port de Pollença.
Wann besucht man den Mirador de Es Colomer am besten?
Am frühen Morgen oder zum Sonnenuntergang. Frühmorgens sind weniger Besucher da und das Licht ist ideal zum Fotografieren. Bei Sonnenuntergang tauchen die Klippen in goldene Farbtöne, die den Ausblick unvergesslich machen. Im Sommer gilt: Wer vor 10:00 Uhr mit dem Auto ankommt, kann die gesamte Strecke frei befahren.
Wie lange dauert die Fahrt zum Leuchtturm von Formentor ab Pollença?
Zwischen 30 und 40 Minuten unter normalen Bedingungen. Die Ma-2210 ist 13,5 Kilometer lang, von Port de Pollença bis zum Kap, mit zahlreichen Kurven und engen Abschnitten. Planen Sie mindestens einen halben Tag für den Ausflug ein, inklusive Stopps am Mirador de Es Colomer, am Strand und am Leuchtturm.
Lohnt sich ein Besuch in Formentor im Winter?
Auf jeden Fall — es ist ein völlig anderes Erlebnis. Im Winter gibt es keine Zugangsbeschränkungen, das Meer zeigt sich von seiner wildesten Seite und die Straße ist nahezu menschenleer. Die Temperaturen bleiben mild (10–15 °C) und das Winterlicht betont jede Kontur der Steilküste. Es ist die bevorzugte Jahreszeit für Fotografen und Wanderer, die das authentischste Mallorca suchen.



